Die Deutsche Rentenversicherung braucht wissenschaftliche Erkenntnisse, um ihren vielfältigen Herausforderungen gerecht zu werden. Deshalb fördert, initiiert und kommuniziert sie Forschungsaktivitäten im Bereich der Alterssicherung. Das Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung Bund erweitert damit das Wissen um Rahmenbedingungen, Wirkungsweisen und Zusammenhänge der Alterssicherung und stärkt den fundierten fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Gesellschaft. Wann immer möglich, greift das FNA auch aktuelle Fragen zur Alterssicherung auf und geht ihnen gemeinsam mit ausgewiesenen Forschungsteams auf den Grund. Mehr Informationen zum FNA finden sich unter Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA).
FNA-Forschungsförderung zur Inflationsbetroffenheit von Rentnerhaushalten
Mit einer detaillierten Analyse der Inflationsbetroffenheit von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen legte das Forschungsteam vom Institut der Deutschen Wirtschaft um Judith Niehues und Maximilian Stockhausen erste Ergebnisse eines FNA-geförderten Forschungsprojektes vor. Es zeigte, dass die Inflationsrate für Haushalte, die hauptsächlich eine gesetzliche Rente beziehen (Rentnerhaushalte), mit knapp über acht Prozent im Jahr 2022 ungefähr vergleichbar ist mit der Inflationsrate für die Gesamtbevölkerung.
Daran anknüpfend kamen 2023 in einem ersten – durch das FNA geförderten – Workshop nationale und internationale Expertinnen und Experten auf dem Feld der Alterssicherung für einen Erfahrungsaustausch in Berlin zusammen. Sie diskutierten grundsätzliche Handlungsoptionen in der Rentenpolitik sowie Maßnahmen, die unterschiedliche Länder im Bereich der Alterssicherung als Reaktion auf hohe Inflationsraten bereits umgesetzt haben. Gemeinsam mit der Europavertretung der Deutschen Sozialversicherung führte das FNA einen weiteren Workshop mit dem Titel „Inflation – Fear number one“ in Brüssel durch. Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der OECD, der Europäischen Kommission, aus den Institutionen der sozialen Sicherung sowie aus der Wissenschaft berieten über die Herausforderungen und Implikationen der andauernden Inflationskrise für die Rentenversicherungssysteme und für Millionen Versicherte.
Die bereits vorgelegten Analysen wurden 2024 von Maximilian Stockhausen durch eine Einordnung möglicher inflationsbedingter Wohlstandsverluste entlang der Einkommensverteilung vertieft. Die Ergebnisse präsentierte der Forscher in einem FNA-Fachgespräch und im Pressefachseminar der Deutschen Rentenversicherung Bund. Dort zeigte er, dass zwischen 2018 und 2023 alle Haushaltstypen an Kaufkraft verloren haben – Rentnerhaushalte jedoch etwas weniger als sonstige Haushalte. Erkennbar seien dabei die stabilisierenden Wirkungen durch die hohen Rentenanpassungen der Jahre 2022 und 2023 sowie die Erhöhung des Wohngeldes. Die Auseinandersetzung mit der Inflation in zahlreichen Kontexten lieferte – auch im internationalen Vergleich – wichtige Erkenntnisse für die sozialpolitische Diskussion um Handlungsnotwendigkeiten und Anpassungsbedarfe infolge der Inflationskrise.
Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung
Das Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung (FDZ-RV) bietet der Forschung anonymisierte Mikrodaten der gesetzlichen Rentenversicherung an. Diese Daten sind prozessproduziert, entstehen also auf der Basis von Verwaltungsentscheidungen zur Rentengewährung, Rentenzahlung sowie zu Rehabilitationsleistungen und den Anwartschaften der Versicherten. Forscherinnen und Forscher können die Daten technisch sowohl in den Räumlichkeiten des FDZ-RV als auch auf dem eigenen Endgerät nutzen.
20-jähriges Jubiläum des FDZ-RV
Im Jahr 2024 feierte das Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung sein 20-jähriges Bestehen. So stand die Jahrestagung am 6. und 7. Juni 2024 in Berlin ganz im Zeichen dieses Jubiläums und bot einerseits Gelegenheit für einen Rückblick, eröffnete andererseits aber auch Perspektiven für die Zukunft. Zum Teil aufbauend auf den Vorträgen der Tagung sind zwei Sonderbände zum 20-jährigen FDZ-RV-Jubiläum im Rahmen der „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik“ sowie der wissenschaftlichen Zeitschrift „Deutsche Rentenversicherung“ entstanden.
Neue Website gestartet
Um den Einstieg in die Arbeit mit den Daten des FDZ-RV zu verbessern, wurde 2024 im FDZ-RV an einem neuen Internetauftritt gearbeitet. Die neue Website ermöglicht eine schnellere Navigation zu den Datensatzdetailseiten, zum Antragsportal sowie zu Informationen bezüglich Datenzugang und -nutzung. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus Mitteln des Programms „NextGenerationEU“ gefördert und ist unter der Website des Forschungsdatenzentrums der Rentenversicherung zu finden.
Antragsentwicklung
2024 hat das Forschungsdatenzentrum der Deutschen Rentenversicherung über 100 neue beginnende und laufende Forschungsprojekte betreut.